Ja, du hast richtig gelesen: Medizin.
Nur eben nicht in Form von Tabletten, Spritzen oder irgendeiner klassischen Behandlung, die man vielleicht erwarten würde, wenn man das Wort „Medizin“ hört. Sondern etwas viel Alltäglicheres, fast Banales – und gleichzeitig etwas, das mir letztlich das Leben gerettet hat: Nahrung.
Essen war meine Medizin. Aber es war zugleich auch meine größte Angst.
Jeder Bissen fühlte sich über lange Zeit an wie ein Schritt ins Ungewisse, ein Moment, in dem ich nicht wusste, was mit meinem Körper und meinen Gedanken passieren würde.
Was, wenn ich zunehme?
Was, wenn ich die Kontrolle verliere?
Was, wenn all das, woran ich mich so verzweifelt festgehalten habe, plötzlich wegbricht?
Diese Gedanken waren laut. SEHR laut. Oft lauter als mein Hunger.
Und dennoch war genau dieser Weg – der, vor dem ich mich am meisten gefürchtet habe – der einzige, der mich aus der Magersucht herausgeführt hat.
Es waren nicht die kleinen Alibi-Portionen, die ich mir früher eingeredet hatte: kein Apfelschnitz „für später“, kein Müsliriegel „für den Kopf“, keine Mini-Menge, die gerade ausreichte, um die Fassade aufrechtzuerhalten.
Es brauchte echte Mengen. Energie. Nährstoffe. Kalorien. Also genau das, wovor ich jahrelang panische Angst hatte.
Denn Kalorien heilen. Nahrung heilt. Nährstoffe bauen dich wieder auf – Schicht für Schicht, Zelle für Zelle.
Nicht umsonst sprechen wir von LEBENsmitteln. Sie schenken Leben – und sie retten es auch.
Je mehr ich zugenommen habe, desto klarer konnte ich wieder denken. Mit jedem Gramm, das ich so sehr gefürchtet hatte, kehrte ein Stück von mir zurück: meine Energie, meine Konzentration, meine Stabilität – und letztlich auch meine Persönlichkeit.
Es war, als hätte mein Körper nur darauf gewartet, endlich wieder versorgt zu werden, um das tun zu können, wofür er gemacht ist: mich durchs Leben tragen.
Unser Körper ist nicht dafür gemacht, dauerhaft im Notzustand zu überleben.
Er braucht Energie, um zu denken, zu fühlen, zu regenerieren und überhaupt zu existieren.
Und manchmal – auch wenn es sich völlig kontraintuitiv anfühlt – ist das Heilsamste, was du für dich tun kannst, genau das, was dir am schwersten fällt:
Essen. Nicht weniger. Sondern mehr.
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